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Aufgrund meiner langen Abwesenheit gebe ich mal ein Update zu mir.

Vor einem Dreivierteljahr habe ich meinen Kanzleistandort aufgegeben und bin in eine andere Stadt umgezogen. Mit Kleinkind war es einfach nicht mehr möglich, täglich 2 Stunden zu pendeln. Zudem waren die Bedingungen und das Arbeitsklima in der alten Bürogemeinschaft nicht die besten.

Ich habe den Umzug nicht bereut. In der jetzigen Kanzlei sind mit mir 5 Berufsträger und ein Diplom-Jurist. Wir haben 2 Azubis, manchmal Praktikanten, die sich heutzutage einiges herausnehmen😉 und eine Kooperationskanzlei an meinem früheren Standort. Das ist gerade wegen meiner alten Mandanten ein echter Vorteil. Zudem haben hier fast alle Kolleginnen und Kollegen kleine Kinder, was enorm zum gegenseitigen Verständnis bei Ausfällen beiträgt. So ein Kleinkind wird ja doch immer unpassend krank oder verteilt Killerviren, die es sich in der KiTa eingefangen hat.

Seit Kurzem bin ich neben meinem Anwaltsjob noch Berufsbetreuerin. Das heißt, ich regele die Angelegenheiten für Personen, die das selbst nicht mehr können. Ich muss zugeben, dass ich diesbezüglich total ins kalte Wasser geworfen wurde, weil gleich mein erster Fall quasi alles beinhaltet, was eine Betreuung so hergibt. Aber learning by doing ist ja bekanntlich eine gute Idee und so bin ich gespannt, wie es weiter geht. Diese Aufgabe macht unheimlich viel Spaß, weil man richtig etwas bewirken kann und man nebenbei auch noch die wichtigsten Ansprechpartner in Behörden, Kliniken und Gerichten kennen lernt. Andere würden sagen, man kann als Berufsbetreuer sein Helfersyndrom ausleben und bekommt noch Geld dafür.😉 Da ist sicher etwas dran. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

Ansonsten stoße ich oftmals noch immer auf Unverständnis oder Erstaunen, wenn ich erzähle, dass ich mit Kleinkind Vollzeit tätig bin. KiTa-Öffnungszeiten bis 16:00 Uhr können da durchaus ein Problem darstellen, wenn man nicht im selben Ort arbeitet. Bisher ließ sich zwar alles ganz gut organisieren, dennoch ist es nicht immer einfach. Einmal habe ich einen Gerichtstermin verlegen lassen, weil er mit der Kinderbetreuung nicht zu vereinbaren war. Allzu oft kann man das sicher nicht machen, wenn man nicht als unzuverlässig oder überfordert dastehen möchte. Andererseits finde ich, dass man das Vereinbarkeitsproblem durchaus bekannter machen sollte, denn es wird immerhin von uns Frauen erwartet, dass wir voll berufstätig sind, sobald das Kind 3 Jahre alt ist. Dazu in den nächsten Tagen mehr. Ich habe zu diesen Themen viel gelesen, kommentiert und gestritten.

 

Es wird Zeit, wieder zu bloggen.

Nach fast 1,5 Jahren Pause fange ich mit etwas Lustigem an. Eine Mandantin erzählt mir gerade, dass sie extrem gute Orgasmen habe. Diese dauerten eine Viertelstunde. Währenddessen springen ihre Fische im Aquarium. Der Nachbar habe sie wegen Lärmbelästigung angezeigt.

Hätte ich fragen sollen, ob die Fische den Lärm verursachen?

Neulich habe ich mich über mangelnde Effizienz aufgeregt. Das kann ich heute wirklich nicht. Ein kleiner Auszug aus einem Termin an einem kleinen unterfränkischen Amtsgericht.

Richter: Frau Rechtsanwältin, warum schicken Sie einen Scheidungsantrag vorab per Fax, wenn keine Fristen laufen?

Ich sinngemäß: Weil wir das schon immer so gemacht haben und wo kämen wir denn da hin, wenn wir das ändern würden. (Anmerkung: In Bayern kommt damit durchaus weiter).

Richter: Der Freistaat Bayern geht dadurch pleite!

Ich: Wegen 3 Seiten???

Ich war kurz davor, dem Richter die 1,50 € Kopierkosten bar auf den Tisch zu legen! Echt jetzt! Wofür bezahlen die Mandanten denn Gerichtskosten?

Unabhängig hiervon komme ich in die Haftung, wenn der Antrag am Ende nicht bei Gericht eingeht oder verspätet eingegangen ist. Das hat nämlich Auswirkungen auf die Ehezeit. Und diese wiederum bestimmt die Höhe des Versorgungsausgleichs. Da kann manchmal ein Monat mehr schon weh tun. Von Unterhaltsansprüchen etc. fange ich gar nicht erst an.

Aber eines muss ich diesem Gericht zugute halten: Protokoll und Beschluss wurden am Ende des Termins ausgedruckt und wir konnten die Abschriften gleich mitnehmen. 2 mal Porto gespart. Das Gericht (somit der Freistaat Bayern) sich den Brief zu mir und ich mir den zum Mandanten. Immerhin 2,90 € günstiger als sonst. Da können wir uns nun einen Kaffee davon kaufen (zumindest in der Gerichtskantine).

Schema F

Wenn man Gericht Schriftsätze einreicht, muss man die erforderliche Anzahl von Abschriften und Anlagen beifügen. Normalerweise ein Original (für den Richter), eine beglaubigte Abschrift (für den gegnerischen Anwalt) und eine Kopie (für den Gegner). Anlagen, also Schriftstücke, die als Beweismittel dienen, müssen nur 2 mal eingereicht werden.

Dies aber auch nur dann, wenn der Gegner diese nicht ohnehin schon hat. Was übrigens oft genug vorkommt. Dann schreibt man das in die Klage/Klageerwiderung aber auch rein.

Dennoch kommt es immer wieder vor, dass die Rechtspfleger meinen, die Abschriften seien immer doppelt vorzulegen. Stimmt nicht. Außerdem ist es in solchen Fällen hilfreich, doch mal den Schriftsatz zu lesen, bevor man den Anwalt auffordert, die fehlenden Abschrift nachzureichen.

So hätte man sich Papier und Porto und der Anwalt sich einen Anruf sparen können.

Effizient ist anders.

14:35 Uhr: Der Fuchs kam vor ca. 15 Minuten. Leger in schwarzer Jeans und schwarzem Hemd. Ein Zeichen stiller Trauer?

Der letzte Tag

Ich hatte es im letzten Beitrag bereits angedeutet. Die Kanzlei hat sich neu aufgestellt. Seit Mai habe ich mich mit 3 weiteren Kollegen aus einer anderen Kanzlei ganz in der Nähe zusammengeschlossen.

Die Kollegen sind Ende 40, Anfang 60 und Anfang 30. Ich bin die einzige weibliche Anwältin dort.

Heute sind 3 Monate seit dem Zusammenschluss vergangen. Langsam lebe ich mich ein. Es war etwas hektisch, da der älteste Kollege in den Ruhestand geht. Genauer: Er tut es morgen. Das heißt nichts anderes, als dass heute sein letzter Tag als Anwalt ist.

Bisher ist er heute noch nicht in der Kanzlei gewesen. Er will wohl noch kommen. Ich muss ihn fragen, wie sich das anfühlt. Immerhin war er nun seit über 30 Jahren Rechtsanwalt und ist ab morgen 0:01 Uhr wieder Volljurist oder Assessor.

Ich hatte mit seinen Mandaten nie viel zu tun. Das aber, was ich mitgekriegt habe, zeigte mir, dass der Kollege nicht nur wahnsinnig viel Erfahrung hat, sondern auch sehr viel Fachwissen. Nun ja, wie auch nicht?

Für mich ist er ein Fuchs.😉

Heute ist also Fuchs‘ letzter Tag und ab Mitte August, wenn dann alle aus dem Urlaub zurück sind, werden wir 3 verbliebenen uns hoffentlich noch besser zusammenfinden.

Es ist jetzt Mittag. Vielleicht kann ich noch live vom „letzten Tag“ berichten.

Zurück

Nach etlichen Monaten komme ich wieder einmal dazu, hier zu schreiben und ich hoffe, dass ich künftig wieder mehr Inhalte liefern kann. Was ist in den letzten Monaten geschehen?

Nun ja, ich habe im Januar mein Söhnchen bekommen.:-)

Schwangerschaft und Beruf gestalteten sich ab der 30. Schwangerschaftswoche nicht immer leicht. Nur kurz in Stichpunkten:

– Fortbildungen werden zur Qual, wenn man Wasser in den Beinen hat und den ganzen Tag sitzen muss
– man rennt ständig zur Toilette und hofft, dass Gerichtstermine nicht allzu lange dauern
– man begründet Fristverlängerungen mit „schwangerschaftsbedingten Ausfällen“
– Umstandsblazer sind wahnsinnig teuer oder nur im Ausland zu kriegen
– Man hat am Ende nur noch die Auswahl zwischen 2 Hosen und 1 Paar Schuhe (Letzteres ist im Winter extrem blöd)
– man steht ständig unter Strom, weil immer die Befürchtung mitschwingt, es könnte weit vor dem Geburtstermin etwas passieren, was nicht geplant war
– ich genoss die CTGs beim Frauenarzt, weil das oftmals meine einzigen 20 Minuten Auszeiten in der ganzen Jahresendhektik waren
– man muss sich rechtfertigen, wenn man sagt, dass man 8 Wochen nach der Geburt wieder voll einsteigen will
– Autofahren wird schwer, insbesondere Ein- und Aussteigen

Nun ja, letztendlich stand ich trotz vorzeitiger Wehen 3 Wochen vor der Entbindung noch im Gerichtssaal. Mutterschutz hatte ich vor der Geburt gar nicht, da das Kind 12 Tage früher kam als errechnet. Eigentlich hatte ich diese letzten Tage nur für mich nutzen wollen – tja, das war mir leider nicht vergönnt.
Selbst nach nächtlichem Blasensprung habe ich noch mehrere beruflich veranlasste E-Mails geschrieben, da mein Vertreter natürlich auch nicht mit einem früheren Geburtstermin gerechnet hatte.

Und danach?

Dazu ein anderes Mal mehr. Nur so viel: Ich habe fast alle meine früheren Ansichten zur Vereinbarkeit von Job und Baby über den Haufen geworfen. Die mütterlichen Hormone hatten mich voll im Griff. Und das ist gut so.:-)

Dennoch: Die Kanzlei gibt es noch, wenn auch in etwas anderer Form und die meisten Mandanten sind mir treu geblieben.

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