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Nach etlichen Monaten komme ich wieder einmal dazu, hier zu schreiben und ich hoffe, dass ich künftig wieder mehr Inhalte liefern kann. Was ist in den letzten Monaten geschehen?

Nun ja, ich habe im Januar mein Söhnchen bekommen. :-)

Schwangerschaft und Beruf gestalteten sich ab der 30. Schwangerschaftswoche nicht immer leicht. Nur kurz in Stichpunkten:

- Fortbildungen werden zur Qual, wenn man Wasser in den Beinen hat und den ganzen Tag sitzen muss
- man rennt ständig zur Toilette und hofft, dass Gerichtstermine nicht allzu lange dauern
- man begründet Fristverlängerungen mit “schwangerschaftsbedingten Ausfällen”
- Umstandsblazer sind wahnsinnig teuer oder nur im Ausland zu kriegen
- Man hat am Ende nur noch die Auswahl zwischen 2 Hosen und 1 Paar Schuhe (Letzteres ist im Winter extrem blöd)
- man steht ständig unter Strom, weil immer die Befürchtung mitschwingt, es könnte weit vor dem Geburtstermin etwas passieren, was nicht geplant war
- ich genoss die CTGs beim Frauenarzt, weil das oftmals meine einzigen 20 Minuten Auszeiten in der ganzen Jahresendhektik waren
- man muss sich rechtfertigen, wenn man sagt, dass man 8 Wochen nach der Geburt wieder voll einsteigen will
- Autofahren wird schwer, insbesondere Ein- und Aussteigen

Nun ja, letztendlich stand ich trotz vorzeitiger Wehen 3 Wochen vor der Entbindung noch im Gerichtssaal. Mutterschutz hatte ich vor der Geburt gar nicht, da das Kind 12 Tage früher kam als errechnet. Eigentlich hatte ich diese letzten Tage nur für mich nutzen wollen – tja, das war mir leider nicht vergönnt.
Selbst nach nächtlichem Blasensprung habe ich noch mehrere beruflich veranlasste E-Mails geschrieben, da mein Vertreter natürlich auch nicht mit einem früheren Geburtstermin gerechnet hatte.

Und danach?

Dazu ein anderes Mal mehr. Nur so viel: Ich habe fast alle meine früheren Ansichten zur Vereinbarkeit von Job und Baby über den Haufen geworfen. Die mütterlichen Hormone hatten mich voll im Griff. Und das ist gut so. :-)

Dennoch: Die Kanzlei gibt es noch, wenn auch in etwas anderer Form und die meisten Mandanten sind mir treu geblieben.

Schwanger im Beruf

Mein stressiger Job hindert mich immer mehr am Bloggen. Dennoch will ich weiterhin Neuigkeiten mitteilen, die sich aus meiner aktuellen Situation so ergeben und noch ergeben werden.

Sehr schnell habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass es wenige schwangere Rechtsanwältinnen gibt. Schon gleich gar nicht solche, die selbständig sind. Deshalb ist es auch schwierig, brauchbare Infos zu Mutterschaftsleistungen für Selbständige/Freiberuflerinnen zu erhalten. Offensichtlich werden solche Leistungen entweder gar nicht oder nur selten in Anspruch genommen.

Aus diesem Grund möchte ich einmal darüber aufklären, was grundsätzlich möglich ist und was nicht. Anspruch auf Vollständigkeit besteht allerdings nicht. ;-)

1) Mutterschaftsgeld:
Auch Freiberufler/Selbständige haben u. U. Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Voraussetzung hierfür ist, dass man freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung mit Anspruch auf Krankengeld versichert ist. In diesem Fall geht das Mutterschaftsgeld dem Anspruch auf Elterngeld vor. Jedenfalls gilt dies für die gesetzlichen Schutzfristen nach dem MuSchG für Arbeitnehmerinnen. Das heißt, 6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Geburt kann man Mutterschaftsgeld beziehen, wobei ich davon ausgehe, dass die Selbständige bis zum Geburtstermin berufstätig ist.

Nachteil: Man darf während des Bezugs des Geldes nicht arbeiten.

2) Elterngeld:
Auch Selbständige haben natürlich Anspruch auf Elterngeld. Man darf sogar bis zu 30 Stunden/Woche arbeiten und kann trotzdem Elterngeld beziehen. Dies klingt verlockend für die Zeit nach der Geburt. Allerdings geht ein möglicher Anspruch auf Mutterschaftsgeld dem Elterngeldbezug vor. Versicherte in der Privaten Krankenversicherung haben in der Regel keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld und können offensichtlich sofort Elterngeld beziehen (was ich aber noch nicht abschließend recherchiert habe).

Nachteil: Die Elterngeldberechnung gestaltet sich kompliziert und Einnahmen während des Elterngeldbezugs werden angerechnet, auch wenn die Rechnung schon Monate vorher gestellt wurde, die Bezahlung aber erst während des Elterngeldbezugs erfolgte. Hier ist es sinnvoll, seine Auftraggeber um rasche Zahlung zu bitten.

3) Reduzierung von Pflichtbeiträgen:
Als Rechtsanwältin zahle ich nicht in die gesetzliche Rentenversicherung, sondern in ein berufsständisches Versorgungswerk ein. Die Beiträge sind nicht ganz ohne und so lohnt sich eine Reduzierung, während der Elternzeit. Die entsprechenden Satzungen sehen diese Möglichkeit ausdrücklich vor.

Ob noch weitere Leistungen/Vorteile gewährt werden, habe ich noch nicht abschließend ermittelt. Dazu mehr in weiteren Beiträgen.

Ansonsten muss ich zugeben, dass die Vorschriften des Mutterschutzgesetzes, das nur für Arbeitnehmerinnen gilt, durchaus ihren Sinn haben. Es ist teils schlicht nicht möglich, länger zu stehen oder bestimmte Tätigkeiten auszuführen. Selbst ein Bürojob, wie es meiner überwiegend ist, gestaltet sich schwanger anstrengend. Das mögen subjektive Empfindungen sein, ich möchte aber darauf hinweisen, dass man sich auf eingeschränkte Leistungsfähigkeiten einstellen sollte.

Es bleibt natürlich die Hoffnung auf Besserung.

Mom

Mal ein paar Gedanken zu den Rechtsverhältnissen zwischen Eltern und Kindern:

§ 1 BGB: Die Rechtsfähigkeit des Menschen beginnt mit der Vollendung der Geburt.

§ 11, 1. HS BGB: Ein minderjähriges Kind teilt den Wohnsitz der Eltern;

§ 1591 BGB: Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat.

§ 1592 BGB: Vater eines Kindes ist der Mann,

1.
der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet ist,
2.
der die Vaterschaft anerkannt hat oder
3.
dessen Vaterschaft nach § 1600d oder § 182 Abs. 1 des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit gerichtlich festgestellt ist.

§ 1616 BGB: Das Kind erhält den Ehenamen seiner Eltern als Geburtsnamen.

§ 1626 Abs. 1, S. 1 BGB: Die Eltern haben die Pflicht und das Recht, für das minderjährige Kind zu sorgen (elterliche Sorge).

§ 1923 Abs. 2 BGB: Wer zur Zeit des Erbfalls noch nicht lebte, aber bereits gezeugt war, gilt als vor dem Erbfall geboren.

Ich sollte mir Gedanken zu den Voraussetzungen des Elterngeldbezugs machen. ;-)

5 Jahre

Heute vor 5 Jahren erhielt ich meine Anwaltszulassung.

Sollte man da Bilanz ziehen?
Nicht nötig. Ich weiß, was ich kann und wovon ich lieber die Finger lasse.

Fakt ist jedoch, dass man auch nach 5 Jahren noch jeden Tag dazu lernen kann. Es gibt immer wieder Fälle, die man so noch nicht hatte oder die so noch nicht höchstrichterlich entschieden wurden.

Alles andere wäre auch langweilig.

Das soll bei Hochzeiten vorkommen.

Das Gegenteil ist der Fall. Die Beteiligten wollten sich scheiden lassen. Jetzt, einen Tag vor dem Scheidungstermin bekommen beide kalte Füße.

Oder anders formuliert: Sie wollen doch zusammen bleiben.

Das ist schön für die beiden. Für uns Anwälte weniger, denn unsere Gebühren werden dadurch geringer. Dennoch: So etwas macht man gerne.

Was aber passiert, wenn die beiden es sich in einem halben Jahr anders überlegen?

Dann müssen sie das Trennungsjahr noch einmal durchlaufen. Der Versorgungsausgleich wird neu berechnet, da sich die Stichtage ändern und alles fängt von vorne an.

Es erscheint mir trotzdem leichter, als sich erst scheiden zu lassen, nur um dann nochmal zu heiraten. :-)

In diesem Sinne: Alles Gute!

Das Millionenmandat

Auf ein solches wartet man in der Regel Jahre. Kommt es, überlegt man zuerst, ob man für diese Summe im Schadensfall überhaupt versichert ist. Wenn nein, muss man ablehnen oder die Versicherungssumme aufstocken. Da stellt sich die Frage, in wieweit das nach Mandatsannahme noch zulässig ist.

Ich werde meinen Versicherungsmakler anrufen müssen.

 

Schicksale

T. H.: Ein Mandant, der schon sehr viel Pech in seinem Leben hatte, aber dennoch unerbittlich darum kämpft, seinen Sohn sehen zu dürfen. Diesen enthält die Kindesmutter ihm vor. Die Gründe hierfür werden unbekannt bleiben. Der Mandant lässt sich trotz seiner manchmal vorhandenen Verzweiflung nicht unterkriegen, kämpft weiter und geht seinen Alltagsgeschäften nach. Manchmal bezeichnet er mich als “Staranwältin.” ;-) Das passiert dann, wenn wir einen Rechtsstreit mit Erfolg beenden, obwohl dies vorher nicht abzusehen war.

B.T.: Eine Mandantin, der – nach einer höchst strittigen Scheidung – nichts mehr von ihrem ehemals guten Vermögen geblieben ist. Sie hat sich damals, das muss man so sagen, nicht nur von ihrem Ex-Mann, sondern auch von ihrem Ex-Anwalt über den Tisch ziehen lassen. Seitdem entwickelte sie gewisse Rachegefühle gegen jeden und alles. Als Rechtsanwältin ist dies unheimlich anstrengend, da man dieser Mandantin oft nur schwer klar machen kann, dass Sach- und Rechtslage zwei verschiedene Bereiche sind und sie vermeintliche Ansprüche auch beweisen muss. Das ist eine der wenigen, die 4mal pro Tag anruft, um Nichtigkeiten loszuwerden. Ich habe mich daran gewöhnt, muss ich sagen. Dazu komme ich auf meine Weise mit ihr zurecht. Denn ich darf sie mal scharf anreden, ohne dass sie gleich beleidigt ist. Trotz ihres eigentlich vermeidbaren Schicksals hat sie ihren – durchaus lobenswerten – Humor nicht verloren. So manchen Spruch von ihr habe ich mir gemerkt.

D. P.: Ein Mandant, der seit Jahren um sein Anwesen und somit um Gerechtkeit kämpft. Ein Finanzdienstleister hatte ihn um eine 6-stellige Summe gebracht. Seitdem laufen dutzende Schadensersatzklagen. Der Mandant hatte dazu kein gutes Händchen mit seinen ehemaligen Rechtsanwälten. Diese haben teils Verjährungsfristen verpasst und Unterlagen verschwinden lassen. Hinzu kommen Gerichte, die ihn als Querulanten abstempeln. Er kämpft dennoch bis zur letzten Instanz. Diese ist fast erreicht. Ich selbst hätte in seiner Situation schon längst aufgegeben.

M.S.: Eine Mandantin, die durch wenig Einkommen während der Elternzeit in die Schuldenfalle geriet. Dort ist man schneller als man sich manchmal vorstellen kann. Nach etlichen gerichtlichen Verfahren hat sie es geschafft, sich aufzurappeln, ihrem alten Job nachzugehen und ihre Schulden langsam, aber stetig abzubezahlen.

P.M.: Ein Mandant, der recht viel für andere tut, gutmütig ist, unermüdlich arbeitet – und dabei leider immer wieder auf Betrüger hereinfällt. Er ist jedoch so konsequent und zeigt diese Leute an, geht zum Anwalt und zieht “sein Ding” durch. Bisher hatten wir noch immer Erfolg. Warum ihm das immer wieder passiert, habe ich noch nicht herausgefunden. Es gibt Menschen, die ziehen das Unglück einfach an. Gott sei Dank ging es bei ihm bisher noch nie um größere Beträge.

Und dann sind da noch der Industrielle, die Adlige, die Lady, der Lehrer und der Prominente.

Niemand von ihnen ist geschützt vor Unfällen, Scheidungen, Zahlungsausfällen, Streit mit Handwerkern oder Fahrverboten.

Viele von ihnen nehmen diese Dinge jedoch mit erstaunlicher Gelassenheit und stoischer Ruhe hin.

Das ist die harte und auch die schöne Seite an meinem Beruf.

 

P.S.: Namenskürzel und Fälle sind selbstverständlich abgeändert.

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