Feeds:
Beiträge
Kommentare

Neulich habe ich mich über mangelnde Effizienz aufgeregt. Das kann ich heute wirklich nicht. Ein kleiner Auszug aus einem Termin an einem kleinen unterfränkischen Amtsgericht.

Richter: Frau Rechtsanwältin, warum schicken Sie einen Scheidungsantrag vorab per Fax, wenn keine Fristen laufen?

Ich sinngemäß: Weil wir das schon immer so gemacht haben und wo kämen wir denn da hin, wenn wir das ändern würden. (Anmerkung: In Bayern kommt damit durchaus weiter).

Richter: Der Freistaat Bayern geht dadurch pleite!

Ich: Wegen 3 Seiten???

Ich war kurz davor, dem Richter die 1,50 € Kopierkosten bar auf den Tisch zu legen! Echt jetzt! Wofür bezahlen die Mandanten denn Gerichtskosten?

Unabhängig hiervon komme ich in die Haftung, wenn der Antrag am Ende nicht bei Gericht eingeht oder verspätet eingegangen ist. Das hat nämlich Auswirkungen auf die Ehezeit. Und diese wiederum bestimmt die Höhe des Versorgungsausgleichs. Da kann manchmal ein Monat mehr schon weh tun. Von Unterhaltsansprüchen etc. fange ich gar nicht erst an.

Aber eines muss ich diesem Gericht zugute halten: Protokoll und Beschluss wurden am Ende des Termins ausgedruckt und wir konnten die Abschriften gleich mitnehmen. 2 mal Porto gespart. Das Gericht (somit der Freistaat Bayern) sich den Brief zu mir und ich mir den zum Mandanten. Immerhin 2,90 € günstiger als sonst. Da können wir uns nun einen Kaffee davon kaufen (zumindest in der Gerichtskantine).

Schema F

Wenn man Gericht Schriftsätze einreicht, muss man die erforderliche Anzahl von Abschriften und Anlagen beifügen. Normalerweise ein Original (für den Richter), eine beglaubigte Abschrift (für den gegnerischen Anwalt) und eine Kopie (für den Gegner). Anlagen, also Schriftstücke, die als Beweismittel dienen, müssen nur 2 mal eingereicht werden.

Dies aber auch nur dann, wenn der Gegner diese nicht ohnehin schon hat. Was übrigens oft genug vorkommt. Dann schreibt man das in die Klage/Klageerwiderung aber auch rein.

Dennoch kommt es immer wieder vor, dass die Rechtspfleger meinen, die Abschriften seien immer doppelt vorzulegen. Stimmt nicht. Außerdem ist es in solchen Fällen hilfreich, doch mal den Schriftsatz zu lesen, bevor man den Anwalt auffordert, die fehlenden Abschrift nachzureichen.

So hätte man sich Papier und Porto und der Anwalt sich einen Anruf sparen können.

Effizient ist anders.

14:35 Uhr: Der Fuchs kam vor ca. 15 Minuten. Leger in schwarzer Jeans und schwarzem Hemd. Ein Zeichen stiller Trauer?

Der letzte Tag

Ich hatte es im letzten Beitrag bereits angedeutet. Die Kanzlei hat sich neu aufgestellt. Seit Mai habe ich mich mit 3 weiteren Kollegen aus einer anderen Kanzlei ganz in der Nähe zusammengeschlossen.

Die Kollegen sind Ende 40, Anfang 60 und Anfang 30. Ich bin die einzige weibliche Anwältin dort.

Heute sind 3 Monate seit dem Zusammenschluss vergangen. Langsam lebe ich mich ein. Es war etwas hektisch, da der älteste Kollege in den Ruhestand geht. Genauer: Er tut es morgen. Das heißt nichts anderes, als dass heute sein letzter Tag als Anwalt ist.

Bisher ist er heute noch nicht in der Kanzlei gewesen. Er will wohl noch kommen. Ich muss ihn fragen, wie sich das anfühlt. Immerhin war er nun seit über 30 Jahren Rechtsanwalt und ist ab morgen 0:01 Uhr wieder Volljurist oder Assessor.

Ich hatte mit seinen Mandaten nie viel zu tun. Das aber, was ich mitgekriegt habe, zeigte mir, dass der Kollege nicht nur wahnsinnig viel Erfahrung hat, sondern auch sehr viel Fachwissen. Nun ja, wie auch nicht?

Für mich ist er ein Fuchs. ;-)

Heute ist also Fuchs’ letzter Tag und ab Mitte August, wenn dann alle aus dem Urlaub zurück sind, werden wir 3 verbliebenen uns hoffentlich noch besser zusammenfinden.

Es ist jetzt Mittag. Vielleicht kann ich noch live vom “letzten Tag” berichten.

Zurück

Nach etlichen Monaten komme ich wieder einmal dazu, hier zu schreiben und ich hoffe, dass ich künftig wieder mehr Inhalte liefern kann. Was ist in den letzten Monaten geschehen?

Nun ja, ich habe im Januar mein Söhnchen bekommen. :-)

Schwangerschaft und Beruf gestalteten sich ab der 30. Schwangerschaftswoche nicht immer leicht. Nur kurz in Stichpunkten:

- Fortbildungen werden zur Qual, wenn man Wasser in den Beinen hat und den ganzen Tag sitzen muss
- man rennt ständig zur Toilette und hofft, dass Gerichtstermine nicht allzu lange dauern
- man begründet Fristverlängerungen mit “schwangerschaftsbedingten Ausfällen”
- Umstandsblazer sind wahnsinnig teuer oder nur im Ausland zu kriegen
- Man hat am Ende nur noch die Auswahl zwischen 2 Hosen und 1 Paar Schuhe (Letzteres ist im Winter extrem blöd)
- man steht ständig unter Strom, weil immer die Befürchtung mitschwingt, es könnte weit vor dem Geburtstermin etwas passieren, was nicht geplant war
- ich genoss die CTGs beim Frauenarzt, weil das oftmals meine einzigen 20 Minuten Auszeiten in der ganzen Jahresendhektik waren
- man muss sich rechtfertigen, wenn man sagt, dass man 8 Wochen nach der Geburt wieder voll einsteigen will
- Autofahren wird schwer, insbesondere Ein- und Aussteigen

Nun ja, letztendlich stand ich trotz vorzeitiger Wehen 3 Wochen vor der Entbindung noch im Gerichtssaal. Mutterschutz hatte ich vor der Geburt gar nicht, da das Kind 12 Tage früher kam als errechnet. Eigentlich hatte ich diese letzten Tage nur für mich nutzen wollen – tja, das war mir leider nicht vergönnt.
Selbst nach nächtlichem Blasensprung habe ich noch mehrere beruflich veranlasste E-Mails geschrieben, da mein Vertreter natürlich auch nicht mit einem früheren Geburtstermin gerechnet hatte.

Und danach?

Dazu ein anderes Mal mehr. Nur so viel: Ich habe fast alle meine früheren Ansichten zur Vereinbarkeit von Job und Baby über den Haufen geworfen. Die mütterlichen Hormone hatten mich voll im Griff. Und das ist gut so. :-)

Dennoch: Die Kanzlei gibt es noch, wenn auch in etwas anderer Form und die meisten Mandanten sind mir treu geblieben.

Mein stressiger Job hindert mich immer mehr am Bloggen. Dennoch will ich weiterhin Neuigkeiten mitteilen, die sich aus meiner aktuellen Situation so ergeben und noch ergeben werden.

Sehr schnell habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass es wenige schwangere Rechtsanwältinnen gibt. Schon gleich gar nicht solche, die selbständig sind. Deshalb ist es auch schwierig, brauchbare Infos zu Mutterschaftsleistungen für Selbständige/Freiberuflerinnen zu erhalten. Offensichtlich werden solche Leistungen entweder gar nicht oder nur selten in Anspruch genommen.

Aus diesem Grund möchte ich einmal darüber aufklären, was grundsätzlich möglich ist und was nicht. Anspruch auf Vollständigkeit besteht allerdings nicht. ;-)

1) Mutterschaftsgeld:
Auch Freiberufler/Selbständige haben u. U. Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Voraussetzung hierfür ist, dass man freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung mit Anspruch auf Krankengeld versichert ist. In diesem Fall geht das Mutterschaftsgeld dem Anspruch auf Elterngeld vor. Jedenfalls gilt dies für die gesetzlichen Schutzfristen nach dem MuSchG für Arbeitnehmerinnen. Das heißt, 6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Geburt kann man Mutterschaftsgeld beziehen, wobei ich davon ausgehe, dass die Selbständige bis zum Geburtstermin berufstätig ist.

Nachteil: Man darf während des Bezugs des Geldes nicht arbeiten.

2) Elterngeld:
Auch Selbständige haben natürlich Anspruch auf Elterngeld. Man darf sogar bis zu 30 Stunden/Woche arbeiten und kann trotzdem Elterngeld beziehen. Dies klingt verlockend für die Zeit nach der Geburt. Allerdings geht ein möglicher Anspruch auf Mutterschaftsgeld dem Elterngeldbezug vor. Versicherte in der Privaten Krankenversicherung haben in der Regel keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld und können offensichtlich sofort Elterngeld beziehen (was ich aber noch nicht abschließend recherchiert habe).

Nachteil: Die Elterngeldberechnung gestaltet sich kompliziert und Einnahmen während des Elterngeldbezugs werden angerechnet, auch wenn die Rechnung schon Monate vorher gestellt wurde, die Bezahlung aber erst während des Elterngeldbezugs erfolgte. Hier ist es sinnvoll, seine Auftraggeber um rasche Zahlung zu bitten.

3) Reduzierung von Pflichtbeiträgen:
Als Rechtsanwältin zahle ich nicht in die gesetzliche Rentenversicherung, sondern in ein berufsständisches Versorgungswerk ein. Die Beiträge sind nicht ganz ohne und so lohnt sich eine Reduzierung, während der Elternzeit. Die entsprechenden Satzungen sehen diese Möglichkeit ausdrücklich vor.

Ob noch weitere Leistungen/Vorteile gewährt werden, habe ich noch nicht abschließend ermittelt. Dazu mehr in weiteren Beiträgen.

Ansonsten muss ich zugeben, dass die Vorschriften des Mutterschutzgesetzes, das nur für Arbeitnehmerinnen gilt, durchaus ihren Sinn haben. Es ist teils schlicht nicht möglich, länger zu stehen oder bestimmte Tätigkeiten auszuführen. Selbst ein Bürojob, wie es meiner überwiegend ist, gestaltet sich schwanger anstrengend. Das mögen subjektive Empfindungen sein, ich möchte aber darauf hinweisen, dass man sich auf eingeschränkte Leistungsfähigkeiten einstellen sollte.

Es bleibt natürlich die Hoffnung auf Besserung.

Mom

Mal ein paar Gedanken zu den Rechtsverhältnissen zwischen Eltern und Kindern:

§ 1 BGB: Die Rechtsfähigkeit des Menschen beginnt mit der Vollendung der Geburt.

§ 11, 1. HS BGB: Ein minderjähriges Kind teilt den Wohnsitz der Eltern;

§ 1591 BGB: Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat.

§ 1592 BGB: Vater eines Kindes ist der Mann,

1.
der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet ist,
2.
der die Vaterschaft anerkannt hat oder
3.
dessen Vaterschaft nach § 1600d oder § 182 Abs. 1 des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit gerichtlich festgestellt ist.

§ 1616 BGB: Das Kind erhält den Ehenamen seiner Eltern als Geburtsnamen.

§ 1626 Abs. 1, S. 1 BGB: Die Eltern haben die Pflicht und das Recht, für das minderjährige Kind zu sorgen (elterliche Sorge).

§ 1923 Abs. 2 BGB: Wer zur Zeit des Erbfalls noch nicht lebte, aber bereits gezeugt war, gilt als vor dem Erbfall geboren.

Ich sollte mir Gedanken zu den Voraussetzungen des Elterngeldbezugs machen. ;-)

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.