T. H.: Ein Mandant, der schon sehr viel Pech in seinem Leben hatte, aber dennoch unerbittlich darum kämpft, seinen Sohn sehen zu dürfen. Diesen enthält die Kindesmutter ihm vor. Die Gründe hierfür werden unbekannt bleiben. Der Mandant lässt sich trotz seiner manchmal vorhandenen Verzweiflung nicht unterkriegen, kämpft weiter und geht seinen Alltagsgeschäften nach. Manchmal bezeichnet er mich als “Staranwältin.”
Das passiert dann, wenn wir einen Rechtsstreit mit Erfolg beenden, obwohl dies vorher nicht abzusehen war.
B.T.: Eine Mandantin, der – nach einer höchst strittigen Scheidung – nichts mehr von ihrem ehemals guten Vermögen geblieben ist. Sie hat sich damals, das muss man so sagen, nicht nur von ihrem Ex-Mann, sondern auch von ihrem Ex-Anwalt über den Tisch ziehen lassen. Seitdem entwickelte sie gewisse Rachegefühle gegen jeden und alles. Als Rechtsanwältin ist dies unheimlich anstrengend, da man dieser Mandantin oft nur schwer klar machen kann, dass Sach- und Rechtslage zwei verschiedene Bereiche sind und sie vermeintliche Ansprüche auch beweisen muss. Das ist eine der wenigen, die 4mal pro Tag anruft, um Nichtigkeiten loszuwerden. Ich habe mich daran gewöhnt, muss ich sagen. Dazu komme ich auf meine Weise mit ihr zurecht. Denn ich darf sie mal scharf anreden, ohne dass sie gleich beleidigt ist. Trotz ihres eigentlich vermeidbaren Schicksals hat sie ihren – durchaus lobenswerten – Humor nicht verloren. So manchen Spruch von ihr habe ich mir gemerkt.
D. P.: Ein Mandant, der seit Jahren um sein Anwesen und somit um Gerechtkeit kämpft. Ein Finanzdienstleister hatte ihn um eine 6-stellige Summe gebracht. Seitdem laufen dutzende Schadensersatzklagen. Der Mandant hatte dazu kein gutes Händchen mit seinen ehemaligen Rechtsanwälten. Diese haben teils Verjährungsfristen verpasst und Unterlagen verschwinden lassen. Hinzu kommen Gerichte, die ihn als Querulanten abstempeln. Er kämpft dennoch bis zur letzten Instanz. Diese ist fast erreicht. Ich selbst hätte in seiner Situation schon längst aufgegeben.
M.S.: Eine Mandantin, die durch wenig Einkommen während der Elternzeit in die Schuldenfalle geriet. Dort ist man schneller als man sich manchmal vorstellen kann. Nach etlichen gerichtlichen Verfahren hat sie es geschafft, sich aufzurappeln, ihrem alten Job nachzugehen und ihre Schulden langsam, aber stetig abzubezahlen.
P.M.: Ein Mandant, der recht viel für andere tut, gutmütig ist, unermüdlich arbeitet – und dabei leider immer wieder auf Betrüger hereinfällt. Er ist jedoch so konsequent und zeigt diese Leute an, geht zum Anwalt und zieht “sein Ding” durch. Bisher hatten wir noch immer Erfolg. Warum ihm das immer wieder passiert, habe ich noch nicht herausgefunden. Es gibt Menschen, die ziehen das Unglück einfach an. Gott sei Dank ging es bei ihm bisher noch nie um größere Beträge.
Und dann sind da noch der Industrielle, die Adlige, die Lady, der Lehrer und der Prominente.
Niemand von ihnen ist geschützt vor Unfällen, Scheidungen, Zahlungsausfällen, Streit mit Handwerkern oder Fahrverboten.
Viele von ihnen nehmen diese Dinge jedoch mit erstaunlicher Gelassenheit und stoischer Ruhe hin.
Das ist die harte und auch die schöne Seite an meinem Beruf.
P.S.: Namenskürzel und Fälle sind selbstverständlich abgeändert.